Reisender von Fernverkehrs Gnaden

Heute morgen hatte der Regionalexpress nach Mönchengladbach mal wieder 20 Minuten Verspätung. Doch das Wunder geschah: Der nahezu zeitgleich verkehrende ICE wurde für den Nahverkehr freigegeben und diese Entscheidung wurde sogar lauthals per Lautsprecher verkündet. Nachdem ich neulich über die Freigabepraxis der Bahn gelästert hatte, fühlte ich mich auch irgendwie moralisch verpflichtet, einen positiven Artikel darüber zu schreiben.
Leider hat es das Zugpersonal mal wieder versaut. Und das kam so: Bereits kurz nach der Abfahrt in Dortmund gab es eine Fahrkartenkontrolle. Der ICE-Chef warf einen kurzen Blick auf mein Firmenticket und bemerkte dann, dass dieser Wagen “aber” die erste Klasse sei. Freundlich entgegnete ich, dass auch mein Ticket “Erster Klasse” sei. Misstrauisch begann er es in seinen Händen zu wenden und von allen Seiten zu betrachten, woraufhin ich ihm wieder freundlich den Hinweis gab, dass das nicht aufgedruckt sei, er das aber gerne mit seinem elektronischen Allzweg-Tool nachprüfen könne. Der Einsicht folgend, dass das mangels Übung vermutlich eine ziemlich dilettantische Vorführung werden könnte, verdrehte der gute Mann nur die Augen und gab mir mein Ticket zurück. Dabei vermittelte er irgendwie das Gefühl, er würde jetzt Gnade vor Recht ergehen lassen.
Und was lernen wir daraus: selbst wenn alles seine Richtigkeit hat, ist man als Nahverkehrskunde im ICE doch nur Passagier zweiter Klasse – selbst mit einem Erster-Klasse-Ticket. Danke, lieber Fernverkehr.

P.S.: Ich meine, mich dunkel daran zu erinnern, dass die erste Aktion des Zugbegleiters in ähnlicher Situation die Frage war, ob er mir einen Kaffee aus dem ZugBistro holen könne. Es scheint also auch anders zu gehen…

Volle Deckung

Heute morgen, kurz nach 6 Uhr, Dortmund Hbf: Irgendwo zwischen Hamm und Dortmund gibt es eine Signalstörung. Alle RegionalExpress-Züge Richtung Westen sind mit 15 bis 20 Minuten Verspätung angekündigt. Eine gute Fahrmöglichkeit wäre der ICE um 6:24 nach München, der aus zwei ICE3-Garnituren besteht und auf dem ersten Teil seiner Reise chronisch unterbesetzt ist.
Völlig klar: Die Freigabe des Zuges für VRR-Fahrgäste ist eine freiwillige Kulanzleistung von DB Fernverkehr. Verdächtig ist nur: Wie so oft in solchen Fällen verkriecht sich das Zugpersonal in seinen Dienstabteilen, damit auch niemand aus der wartenden Meute Gelegenheit hat, um eine Mitfahrgelegenheit zu betteln. Erst in letzter Sekunde springt je Zugteil ein Mitarbeiter auf den Bahnsteig und hastig wird der Zug abgefertigt. Gibt es dafür eigentlich eine Dienstvorschrift oder ist das ein natürlicher Schutzmechanismus frustrierter Mitarbeiter, die nicht mehr bereit sind, für ihren Arbeitgeber und das System Bahn den Kopf hinzuhalten?

110 im Fernverkehr

Wer hätte das gedacht? Da kommt doch die gute alte Baureihe 110 auf ihre alten Tage doch noch einmal zu Fernverkehrsehren.

Schuld daran ist die mangelnde Verfügbarkeit von ICE2-Triebzügen. Auf der Strecke von Berlin ins Rheinland entfällt seit einiger Zeit bei zahlreichen Zügen die Flügelung der Züge in Hamm. Der Wuppertaler Ast wird als Ersatzzug gefahren. Offenbar ist aber nie so recht vorhersehbar, wieviele Triebzüge wirklich verfügbar sind, denn selbst wenn der ICE zwischen Berlin und Hamm als Doppeleinheit verkehrt, wird trotzdem nicht geflügelt. Am nächsten Tag könnte es ja schon wieder anders sein…

Die Ersatzzüge muten allerdings wie das letzte Aufgebot der Bahn an. Mittwoch, 28. Januar 2010 16 Uhr 45. Auf dem Kölner Hauptbahnhof wartet die gespannte Masse auf den Ersatz-IC 2893, der sich auch bald mit einigen Minuten Verspätung an den Bahnsteig schiebt. Geführt wird er von einer bunt angemalten 110 329. Die Zuggarnitur besteht aus Interregio-Wagen der zweiten Wagenklasse. Damit sich die werten Beförderungsfälle schon einmal darauf einstellen können, dass auch der Anschluss-ICE in Hamm möglicherweise nur 50% Sitzplatzkapazität hat, hat die Bahn allerdings nur 4 Wägelchen spendiert. Damit der Zug aber trotzdem nicht zu flink beschleunigt, hängt als Ballast noch 110 210 am Zugschluss – so tot, dass noch nicht einmal die Zugschlussleuchten funktionieren, sondern man zwei Schlussscheiben aufgesteckt hat. Offensichtlich wird es mittlerweile als Risiko angesehen, außerhalb eines Betriebshofes eine Lok umzusetzen. Da schleppt man lieber 86 Tonnen Stahl durch die Gegend.

P.S.: Damit auch mal was Gutes über die Deutsche Bahn gesagt wird: RE1 aus Aachen war sogar drei Minuten zu früh in Köln, so dass der eigentlich garnicht vorhandene Anschluss auf IC 2893 bequem erreicht wurde. Auch das gibt’s also noch.

Marode Strecken und instabile Fahrpläne

Fahrgäste auf der RE16 Essen – Siegen/Iserlohn haben in diesen Tagen unter Verspätungen zu leiden. Grund sind mehrere Langsamfahrstellen zwischen Werdohl und Letmathe.

Verschärft wird die Situation noch durch die Tatsache, dass die RE16 nach einem Fahrplan verkehrt, der für Verspätungen extrem anfällig ist. Einen Zug nach 137 Minuten Fahrzeit in Essen nach 5 Minuten planmäßiger Wendezeit wieder auf die Rückreise zu schicken, ist nun wahrlich kein Musterbeispiel für seriöse und stabile Fahrplangestaltung.

Offensichtlich sind aber doch einige Reserven vorhanden. So verkehrte der RE99626 heute leicht verspätet, aber immerhin ab Essen und wurde nicht schon wie andere Züge (wie im Netz berichtet) in Bochum gewendet. In Hagen war der Zug dann sogar wider (über-)pünktlich. Offensichtlich hat Abellio da doch die richtige Taktik gewählt, indem man die Züge nur “auf Zuruf” in Bochum enden lässt, anstatt einen Ersatzfahrplan einzurichten. Das macht die Geschichte allerdings jeden Tag wieder spannend…

Zwitschernde Züge

In diesem Artikel geht es nicht um einen neuen Verwandten von “Quietschies” und “Taigatrommeln”, also nicht um ein Fahrzeug, das sich durch herausragende Betriebsgeräusche seinen Spitznamen verdient hat.

Die Rede ist vielmehr von einem Service der metronom Eisenbahngesellschaft, der seit einigen Monaten online ist. Der Metronom nutzt den Online-Dienst “Twitter” für aktuelle Meldungen zur Verkehrslage. “To twitter” heißt auf deutsch “zwitschern” und mit diesem Dienst kann man kurze Textmeldungen (maximal 140 Zeichen) im Netz verbreiten. Andere Nutzer können das Gezwitscher abonnieren und beispielsweise auch mit dem iPhone unterwegs empfangen.

Das ist doch mal eine wirklich sinnvolle Nutzung von Twitter. Wenn ich mir allerdings die Anzahl der Verspätungsmeldungen so ansehe, habe ich das Gefühl, dass das Metronom-Netz entweder eine Insel der Glückseligen ist oder dass da doch nicht alles in die Welt hinausgezwitschert wird, was so passiert. Bei der Vorstellung, dass auch die Betreiber zwitschern würden, mit denen ich so täglich unterwegs bin, muss ich irgendwie unwillkürlich an ein Papageienhaus im Zoo denken…

Die Twitter-Seite vom Metronom gibt’s übrigens hier.